Hamburg mit Kind an einem Tag (Teil 1): Wimmelbild Hafen

Speicherstadt HH

Dieser Blogbeitrag richtet sich an alle Familien, die zum ersten Mal Hamburg mit Kind im Gepäck besuchen. Er soll Euch bei der Entscheidung helfen, was als Ihr erleben könnt ohne in Sightseeing-Stress zu geraten und gibt Vorschläge, die Euch allen gefallen könnten. Mein Tipp: weniger ist mehr. Was genau das ist? Lest mal weiter!

Als Erwachsener möchte man am liebsten so viel wie möglich von einem Reiseziel mitnehmen: Sehenswürdigkeiten besuchen, das typische Flair genießen, in hippen Geschäften stöbern, in angesagte Bars gehen, coole Restaurants testen etc. Das funktioniert definitiv aber nur bis zu dem Moment, bis man Kinder bekommt.

Ich empfehle Euch für den ersten Trip nach Hamburg mit Kind, dass Ihr Euch auf ein Thema reduziert. Auch wenn es schon abgedroschen erscheinen mag, der Hamburger Hafen ist immer noch der beste Einstieg und eine Basis, noch mehr von Hamburg zu sehen und die Stadt zu verstehen.

Die wichtigsten Dinge mit Kind im Gepäck, die bei einer Stadtbesichtigung berücksichtigt werden müssen sind folgende: wo gibt es was zum Essen/Trinken, wo finde ich Toiletten und wo verstecken sich tolle Spielplätze bzw. Orte, die auch Kinder toll finden? Die folgenden Ideen sind nach diesen Kriterien ausgewählt.

Wimmelbild Hafen

Im Hafen gibt es viel zu sehen: Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe, Barkassen, Wasserschutzpolizei, Feuerwehrboote, Schlepper, Fähren. In den Docks werden z.T. sehr große Schiffe, repariert, gebaut und umgebaut. An den Kaianlagen stehen Kräne zum Löschen der Ladung. Vollautomatische Van Carrier (Portalhubwagen auf deutsch) transportieren die vielen bunten Container hin und her und stabeln sie übereinander.

Im Hafen riecht vieles anders: nach Metall, Motoröl, Industrie, Abgasen. Nach großer weiter Welt 🙂

Der Hafen hat seine eigenen Geräusche: Schiffstuten, das Tuckern der Schiffsmotoren, Verkehrsgeräusche, das Gluckern der an den Kai schwappenden Wellen, Möwengeschrei.

All dieses ist für Kinder super spannend. Ganz anders als ihr Alltag. Gebt Euch allen Zeit, dieses „Wimmelbild“ auseinanderzunehmen. Setzt alle Sinne auf Empfang. Nehmt das Drumherum bewusst wahr. So fühlt sich Hamburg an.

Startpunkt Landungsbrücken

Hamburg mit Kind an einem Tag lässt sich am besten an den Landungsbrücken beginnen. Optimaler Weise reist Ihr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Gute, günstige oder sogar kostenlose Parkmöglichkeiten kann ich Euch leider nicht empfehlen.

Lust auf ein Fischbrötchen zum Start? Dann geht zu Brücke 10. Aber Vorsicht, die Möwen mögen das auch!

Landungsbruecken_HH

Alter Elbtunnel

Da jetzt noch alle fit sind, marschiert doch zuerst durch den Alten Elbtunnel rüber nach Steinwerder. Schon die Treppen bzw. die Lastenfahrstühle sind ein Erlebnis und die Vorstellung direkt unter der Elbe lang zu laufen, ist irre. Ich kann nur immer wieder darüber schwärmen, wie cool es hier unten ist. Was Ihr im Tunnel noch entdecken könnt, lest Ihr im Blogbeitrag Alter Elbtunnel – Unterirdisch überragend.

Auf der südlichen Seite der Elbe findet Ihr einen tollen Fotospot, eine Imbissbude de Luxe und mobile Toiletten. Ein optimaler Platz zum Gucken und Picknicken. (Besonders bei Ankünften von großen Schiffen zu empfehlen!) (Schiffsankünfte)

Hamburg mit Kind Alter Elbtunnel

Zurück zu den Landungsbrücken könnt Ihr entweder durch den Alten Elbtunnel gehen, oder mit der Fähre 75 (Mo bis Fr.) zurückschippern.

Den Hafen mit dem Schiff erkunden

Die Hafenfähre Nr. 62 von den Landungsbrücken nach Finkenwerder: früher ein absoluter Geheimtipp wenn es darum ging so günstig wie möglich, so viel wie möglich vom Hafen, Hafenrandbebauung sowie von den noblen Vororten zu sehen. Hafensightseeing mit Nahverkehrsticket. Nun steigen die Besucherzahlen der Hansestadt stetig und unglaublich viele Touristen wollen (neben den armen Pendlern, die auf die Fähre angewiesen sind) das Angebot nutzen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es z.T. zu tumultartigen Szenen am Anleger kommen kann. Für Familien mit kleinen Kindern und mit Kinderwagen ein absoluter Graus. Was nun?

Fähre oder Barkasse?

Ich empfehle Euch trotzdem mit der Linie 62 zu fahren, unter der Bedingung, dass nicht zu viele Menschen mitfahren wollen. Es lohnt sich sehr! Preislich unschlagbar. Macht Euch aber bei der Ankunft an den Landungsbrücken vorher einen Überblick, wie groß der Andrang ist. Zusammengequetscht auf dem Oberdeck ohne Sitzplatz, oder irgendwo mitten im Unterdeck, macht keinem in der Familie Spaß. (Fahrplan Linie 62)

Faehre 62 HH

Alternativ und auch richtig schön, sind die Fahrten mit den Barkassen (kleine Hafenrundfahrtschiffe). Da ist Euch ein Sitzplatz garantiert, ihr schippert sogar noch durch die Speicherstadt und so manche Fakten und Geschichten über den Hafen bekommt Ihr noch dazu erzählt. Tickets könnt Ihr an den Verkaufsstellen an den Landungsbrücken kaufen. Wo und wann die nächsten Fahrten gehen, verraten Euch die Herren, die lauthals „HAFENRUNDAHRT“ rufen. Mit der HAMBURG CARD bekommt Ihr Rabatt (und habt gleich eine HVV Karte inklusive).

Natürlich könnt Ihr auch mit den großen Ausflugsfähren und dem Schaufelraddampfer fahren. Dann fahrt Ihr aber nicht durch die Fleete der Speicherstadt und einen Kapitän mit Hamburger Dialekt bekommt Ihr auch nicht zu hören. Das hat nämlich was!

Bei allen Schiffen gibt es Essen, Trinken und eine Toilette. Es gibt so viel zu sehen, da wird es den Kindern bestimmt nicht langweilig.

Linie 62 mit Haltestelle Elbstrand

Wenn Ihr Euch doch entscheidet mit der Linie 62 zu fahren, steigt in Övelgönne aus. Am Anleger begrüßen Euch die schönen alten Schiffe des Museumshafens. Geht links am Wendehammer und an den Restaurants vorbei, dann kommt Ihr zum Sandstrand. Von dort aus sind es nur wenige Minuten bis zur Strandperle/Ahoi Strandkiosk/öffentliche Toilette.

Oevelgoenne HH
Hamburg mit Kind Strand

Was kann es schöneres geben als leckere Fischbrötchen, Alsterwasser, Eis & Co. und der Strand als Riesensandkiste? Ihr könnt gerne etwas länger relaxen ohne schlechtes Gewissen zu haben. Das machen Hamburger nämlich auch. So lebt Hamburg – chillen und grillen!

Kleine Anmerkung: meidet den Bereich am Samstag oder Sonntag vor 12 Uhr, da hier der Strand noch vom Vorabend zugemüllt ist und erst noch aufgeräumt werden muss. Noch mehr Infos lest Ihr in meinem Beitrag Elbstrand: Beachfeeling vor der Tür.

Mit der Fähre 73 und Bus 256 zum Hafenmuseum

Auf Sandstrand habt Ihr keine Lust und für Euren Geschmack sind zu viele Menschen unterwegs? Dann besucht das Hafenmuseum, abseits der ganzen Touristenströme. Fahrt mit der HADAG-Fähre 73 bis zur Argentinienbrücke und dann mit dem Bus weiter, HVV Linie 256. Hier ist nichts schick, modern und stylisch wie auf der anderen Elbseite, sondern solide, bodenständig, ehrlich und rau charmant. Auch das ist Hamburg!

Nirgendwo bekommt Ihr besser einen Eindruck, was der Hafen für Hamburg bedeutet, wie dort gearbeitet und umgeschlagen wurde und wird. Im Schuppen 50A gibt es ein großes Schaudepot mit einer Sammlung zu Güterumschlag, Schifffahrt, Schiffbau und Meerestechnik.

Außerdem könnt Ihr einen Saugbagger und einen Schwimmkran besichtigen. Für Kinder gibt es viel zu staunen und zu rätseln. Bis zum 18. Lebensjahr zahlen sie zudem keinen Eintritt. Was wir dort gemacht haben lest Ihr hier.

Essen und Trinken bekommt Ihr in einer original erhaltenen „Kaffeeklappe“, so wurden die Kantinen der Hafenarbeiter früher genannt wurden. Filterkaffee mit Streuselkuchen, besser geht es nicht, oder?

Achtung: Das Hafenmuseum hat nur von April bis Oktober auf. Den Fahrplan von Fähre und Bus solltet Ihr vorher nachsehen.

Elbphilharmonie mit Hafencity und Speicherstadt

Nicht weit von den Landungsbrücken, liegt die Elbphilharmonie sowie die Hafenbereiche der traditionellen Speicherstadt und der neu entstandenen HafenCity. Ihr kommt direkt über die Hafenpromenade und ein paar Brücken dort hin. Gut zu erlaufen, gerade wenn Ihr einen Kinderwagen dabei habt.

Das Schöne an der Elbphilharmonie ist, dass man kostenlos mit einer megatollen Rolltreppe auf die Plaza fahren kann und einen Wahnsinnsblick auf die Stadt und den Hafen hat (Fotopoint!). Auch das Innenleben der Elphi ist sehenswert. Wenn Ihr hier Hunger bekommt, es gibt auch Restaurants auf der Plaza (und eine öffentliche Toilette). Denkt aber bitte dran, dass es an Feiertagen o.ä. ziemlich voll sein kann. Dann ist eine Reservierung der Besuchertickets sinnvoll. Noch mehr Infos zum Besuch der Plaza der Elbphilharmonie gibt Ihr hier.

Die Elbphilharmonie ist ein optimaler Ausgangspunkt für einen entspannten Bummel. Wählt einen Rundgang, bei dem Ihr sowohl durch die Häuserschluchten und Hafenbecken der HafenCity kommt, als auch entlang der alten Kontore in der Speicherstadt. Die Backsteinarchitektur schafft eine besondere Atmosphäre. Meinen Jungs gefallen dabei die vielen Wege oberhalb der Straßen. Das ist fast ein bisschen wie auf einem Wipfelpfad.

HH_hafencity

Besonders spannend sind auch die offenen Türen der Orient-Teppichhändler, durch die man Teppiche aller Art bewundern kann. Natürlich dürft Ihr auch hineingehen.

In der Speicherstadt findet Ihr auch das Miniatur Wunderland, das ein echtes Highlight für einen Besuch in Hamburg mit Kind sein kann. Ich kann Euch aber nur empfehlen, einen halben Tag einzuplanen, da es so viel zu sehen gibt und man hinterher total erschöpft ist. (Perfekt für einen längeren Aufenthalt in Hamburg).

Es gibt in der HafenCity unzählige Restaurants und Cafés, (hier sind zwei Tipps), da werdet Ihr bestimmt fündig. Außerdem können sich die Lütten auf drei sehr schönen Spielplätzen austoben (Grasbrookpark, Lohsepark, Baakenhafen). Nehmt auch hier das Flair auf.

Die HafenCity und die Speicherstadt könnten von ihrer Architektur nicht unterschiedlicher sein. Entscheidet selber, was Euch gefällt. Auch das ist Hamburg! Darüber wird sehr viel kontrovers diskutiert.

Weniger ist mehr!

Nehmt Euch zwei meiner Vorschläge vor und lasst Euch treiben. Weniger ist mehr. Dadurch, dass Ihr Euch intensiver mit dem Hamburger Hafen, seinem Flair und dem Hamburger Lebensgefühl befasst, habt Ihr einen guten ersten Eindruck gewonnen, was die Hansestadt ausmacht. Mit meinen Jungs komme ich regelmäßig her und wir entdecken immer etwas neues: eine neue Ausstellung, einen neuen Bolzplatz, coole Eisdielen oder genießen die Sonne am Elbstrand. Langweilig wird es mit Kindern hier definitiv nicht!

Viel Spaß beim Entdecken!

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